Zu Beginn des 20.Jahrhunderts war in Seeligstadt die Landwirtschaft natürlich dominierend. Aber neben den traditionellen Methoden in der Landwirtschaft, fanden die Leistungen der technischen Revolution immer mehr Eingang in den bäuerlichen Alltag. Die Bauern setzten zunehmend Technik ein, um die schwere körperliche Arbeit nach und nach abzubauen und zugleich effektiver bei der Feldarbeit zu sein. Auch der Transport und die Weiterverarbeitung der Produkte wurde durch technische Veränderungen stark beeinflusst.

Obwohl Seeligstadt wie heute zur damaligen Zeit ein kleines Dorf (ca. 300 Einw.) war, drückte sich die Wertschätzung der Technik in der Landwirtschaft auch darin aus, dass es 2 Schmieden und eine überregional tätige Landmaschinenfabrik gab.

Zum einen möchten wir einige Bilder dieser Firmen zeigen und (soweit bisher ermittelt) dazu etwas sagen. Zum anderen möchten wir in Form eines kleinen Quiz landwirtschaftliche Technik vorstellen, die auf den Feldern oder auf den Höfen der Seeligstädter Bauern zum Einsatz kam. Diese Technik wurde teilweise in Seeligstadt hergestellt oder zusammengebaut. Die Bedeutung der Zunft nahm nach dem Ende des 2. Weltkrieges durch die Einführung von immer leistungsfähigerer Technik in der Landwirtschaft ab. Für diese neue Technik wurden in den gebildeten LPG eigene Stützpunkte für Wartung, Pflege und Reparatur geschaffen. Somit verschwanden bis Anfang der 70er Jahre diese Betriebe - auch dem geschuldet, dass man in der DDR möglichst wenigen Privatunternehmen die Existenz gestatten wollte.
 

Zuerst die Schmiede im Oberdorf. Auf dem folgenden Bild, das vermutlich aus der Zeit um 1925 stammt, ist klar erkennbar, dass hier vorwiegend landwirtschaftliches Gerät bearbeitet wurde. Als letzter Schmied wirkte nach unserem Wissen Oskar Heyde (evtl. der Mann mit Schürze). Rechts ist der Postbote im Bild - vielleicht ein Fingerzeig, denn in diesem Haus befand sich bis in die 80er Jahre die letzte Poststelle in Seeligstadt.
Das auf dem Bild zu sehende Gebäude-Ensemble ist nahezu unverändert heute noch zu sehen (Burkhardswalder Straße 52).
 

 

Die zweite Schmiede befand sich im Mitteldorf. Diese wurde zuletzt von Georg Hofmann und danach von seinem Schwiegersohn Oskar Gebhardt geführt. Auf dem Bild unten links ist ein Teil der Gebäude zu sehen, links hinter dem Pferd sind einige Dinge zu sehen, die zumindest auf 'Schmiede' hindeuten. Die Gebäude existieren heute nicht mehr, so dass am alten Standort (Alter Viehweg 2) nichts mehr auf diese Geschichte hindeutet. Aber das alte Transformatoren- häuschen am rechten Bildrand existiert noch. Da wir von der Schmiede leider kein Foto auftreiben konnten, möchten wir wenigstens den letzten Schmied Oskar Gebhardt mit seiner Frau Frieda, geb. Hofmann, ins Bild setzen.
 

  

Als Drittes wollen wir die Landmaschinenfabrik Bräuer vorstellen. Ob dieser Betrieb im Unterdorf aus einer Schmiede hervorgegangen ist oder eine Neugründung war, konnte bisher nicht geklärt werden. Um 1900 existiert die Landmaschinenfabrik bereits, wie das Bild unten (1915) zeigt.

Der Blick in die Werkstatt 1915 zeigt die damalige Belegschaft. Als zweiter von rechts steht  der Eigentümer Fridolin Bräuer. In der Mitte sind vermutlich seine Söhne Richard und Walter zu sehen, hier noch als Lehrlinge, die später das Unternehmen als 'Gebrüder Bräuer' weiterführten.
Die hier vorhandenen und später erweiterten Anlagen zur Transmission sind im heutigen Gebäude zum Teil noch erhalten.

Die Landmaschinenfabrik erlangte überregionale Bedeutung und trat mit einer Reihe, zum Teil patentierter Eigen- entwicklungen in Erscheinung. Insbesondere der Weiterverarbeitung der Ernteprodukte (vor allem Getreide) waren die technischen Entwicklungen gewidmet. Einige dieser Produkte sind im nachfolgenden Quiz zu sehen.
Es wurde aber nicht nur herkömmliche Landtechnik gebaut oder repariert, die Landmaschinenfabrik profilierte sich auch im Vertrieb von Landtechnik und Traktoren. Dies bezog sich sowohl auf Produzenten in Deutschland (Deutz/Köln; Lanz/Mannheim usw.) als auch auf ausländische Produzenten (z.B. Harvester/Chicago/USA).
Das Bild unten zeigt die Belegschaft sowie die Familien Bräuer ca. 1935 mit einem geschmückten Wagen (vermutlich für das jährliche Seeligstädter Kinderfest) und einer Eigenentwicklung der Firma. Diese Erzeugnisse trugen die Bezeichnung 'Seema' (Seeligstädter maschinen).

Das letzte Bild zeigt die Landmaschinenfabrik Gebrüder Bräuer ca. 1944. Die gusseisernen Fenster bestimmen noch heute die untere Etage des ansonsten stark umgebauten Gebäudekomplexes (Burkhardswalder Straße 8). Auf dem Foto sind sowohl die Belegschaft der Fabrik als auch das Fuhrwerk eines Bauern, der etwas holt oder bringt, zu sehen.

Die Seeligstädter Landmaschinen- fabrik stand nicht nur mit Kunden und Lieferanten in Kontakt, es wurde auch mit gleichartigen Unternehmen kooperiert.
So gab es viele Kontakte zur Fa. Raussendorf (Singwitz/Obergurig, später auch Neustadt/Sa.), die insbesondere Mähbinder und Strohpressen her-stellte. Aus dieser ist später in der DDR das Landmaschinenkombinat 'Fortschritt' hervorgegangen - man sieht, auch Seeligstadt hätte diese Entwicklung nehmen können.
Es blieb aber bei dem kleinen Betrieb, der 1968 endgültig seine Tätigkeit einstellen musste.

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