Als erstes möchten wir aus gegebenem Anlass über die Feuerwehr unseres Dorfes berichten.

Die Kameraden der Seeligstädter Feuerwehr haben über einen sehr langen Zeitraum mit außerordentlich großem persönlichem Einsatz eine verantwortungsvolle Arbeit in unserem Dorf und der Region geleistet.
Dafür möchten wir Ihnen hiermit nochmals den herzlichsten Dank aussprechen.

In den zurückliegenden Jahren (mehr zur Geschichte weiter unten) wurde sehr viel für den vorbeugenden Brandschutz getan. Man erinnert sich sicher noch an die (zwar vielleicht dem einen oder anderen unangenehmen, aber doch wichtigen) Brand- schutzkontrollen in den Betrieben und Wohnungen. Viel Freizeit wurde auch in die Pflege und Wartung der Technik und Ausrüstung, das Training der Abläufe bei Einsätzen und in die Aneignung des nötigen Wissens investiert. Leider gab es dann und wann auch den 'Ernstfall', bei dem unsere Wehr stets schnell zur Stelle war und Ihre Aufgaben erfüllte. Die Kameraden waren aber auch gern bereit, andere Aufgaben zu erfüllen, wie den Ausbau des Gerätehauses, die Instandhaltung der Lösch- wasserentnahmestellen oder denken wir nur an unsere letzten Dorffeste und an viele Veranstaltungen in der auch weiter zurückliegenden Zeit.

Aber leider zeichnete sich in den vergangenen Jahren ab, dass sich auch auf dem Gebiet der Feuerwehrstrukturen einiges ändern würde. Die Seeligstädter Kameraden suchten bis zuletzt nach Möglichkeiten, ihre Eigenständigkeit zu erhalten, denn solch eine eingespielte und stets einsatzbereite Truppe wäre bei Bränden oder anderen Katastrophen in unserem und be- nachbarten Orten sicher eine gute Option. Aber in einer kleinen Gemeinde, wie der unseren, sind weder die materiellen noch technischen Möglichkeiten vorhanden, mehrere Wehren zu unterhalten. Und so reifte dann auch die Einsicht, dass mit dem Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses in Taubenheim (auch dazu weiter unten mehr) beste Voraussetzungen geschaffen sind, eine stets einsatzbereite und mit der entsprechenden Technik ausgerüstete Feuerwehr für die gesamte Gemeinde Taubenheim zu unterhalten, deren Kern die Taubenheimer Kameraden bilden. Eine Mitarbeit der Seeligstädter Kameraden in dieser Wehr ist natürlich gewünscht und einige Seeligstädter Kameraden nehmen diese Möglichkeit wahr.
 

So kam der Tag heran, an dem sich die Seeligstädter Feuerwehr zu ihrem letzten Einsatz traf.
 

Am 17.09.2002 trafen sich alle Kameraden im Gerätehaus, um letztmalig einen (Trainings-)Einsatz zu fahren. Dies sollen die nachfolgenden Bilder zeigen.
 
 
 

Ja, und dann wurde eine letzte Runde mit der Technik gedreht. Wie man sieht, geht es nur mit Muskelkraft vorwärts, denn ein geeignetes Zugmittel war in letzter Zeit nicht mehr verfügbar. Die an den Tag gelegte Fröhlichkeit täuscht etwas, denn alle Kameraden hatten schon ein komisches Gefühl im Bauch, eine Mischung aus Wehmut und Traurigkeit.

 
 

Nun noch ein Gruppenfoto der fast vollständig erschienen Seeligstädter Feuerwehr -

 
 

dann alles eingeräumt und es ist Feierabend.

 
  

  

Auch wenn leider nicht sehr viel Material zur Geschichte der Seeligstädter Feuerwehr aufzutreiben war, möchten wir doch das wenige hier zeigen.

Da gibt es zuerst etwas zum Vorläufer der Feuerwehr zu sagen:
Wie weiter unten nachzulesen ist, gehörte Seeligstadt in der Zeit vor 1900 zu einem aus benachbarten Dörfern bestehenden Spritzenverband. Von diesem hat man sich 1887 dann endgültig getrennt und bildete einen eigenen Spritzenverband. 
1893 wurde eine neue Handdruckspritze gekauft. 1901 erfolgte eine Umbildung dahingehend, dass nur noch für auswärtige Einsätze ein Entgelt gezahlt wurde, während die Einsätze im Ort kostenlos ausgeführt wurden - dies kann man vielleicht als Bildung der Freiwilligen Feuerwehr (FFw) betrachten. 
Und dies geschah in unmittelbarer Nachbarschaft zur ersten Freiwilligen Feuerwehr Deutschlands (gegründet am 17. Juli 1841) in der Amtshauptstadt Meißen. 

   
   

Seeligstadt am 25 September 1871

Der hier bestehende Spritzenverband
welcher aus den Gemeinden: Seeligstadt,
Burkhartswalde, Schmiedewalde, Groitsch
und Munzig besteht, trug kürzlich auf
Anschaffung 5 neuer Spritzen an zu
welchen auch noch ein Zubringer
geschafft werden soll; diesen Antrag
schlägt die Gemeinde Seeligstadt ab.
die Gemeinde will vom Verbande aus-
treten und sich nach Umständen aus
eigenen Mitteln eine neue Spritze an-
schaffen oder nach Befinden die alte
hierstehende Spritze dem Verbande ab-
kaufen. Auf Bestellung des Spritzen-
verbandes soll sich der vollständige
Gemeinderath von hier dort einfinden.
...

... 
  
(der nicht markierte Text hat mit dem Spritzenverband nichts zu tun)

 

So geschehen  vorgelesen und
unterschrieben

Friedrich August Wolf
Carl Erberecht Welt
Franz Theodor Fiedler
Ernst Wilhelm Döring
Heinrich Erhard Knöfel
Ernst Wilhelm Richter
Karl Julius Leuschner
Wilhelm Ferdinand Dämmig
Ernst Julius Schroth

   

Die Feuerwehr von Seeligstadt arbeitete natürlich weiter mit den benachbarten Spritzenverbänden zusammen. So wurden insbesondere mit dem Taubenheimer Spritzenverband auf der Grundlage der seit 1913 bestehenden Feuerlöschordnung die Feuermeldestellen (Nebelhörner zur Alarmierung) und die Ausrückebereiche festgelegt. Auch ein Versicherungsschutz für die Spritzenmannschaft und den Vorspannkutscher waren damit geregelt.
In den 50er Jahren wurde die Handdruckspritze durch eine TS 8 (Tragkraftspritze für 800 l/Min) und Transportanhänger für Pferdefuhrwerk bzw. Motorfahrzeug ersetzt.
1951 vereinigte sich die Seeligstädter FFw mit der Taubenheimer FFw und wurde damit zur Kommandostelle Seeligstadt.

Die Leitung der Seeligstädter Feuerwehr hatten seit 1936 (für die Zeit davor liegen leider keine Angaben vor) folgende Kameraden inne:

als Spritzenmeister
Richard Dietrich (1936 - 1941)
Alfred Dietze (1941 - 1945)
als Wehrleiter
Richard Dietrich (1945 - 1947)
Alfred Schumann (1947 - 1951)
als Kommandostellenleiter
Alfred Dietze (1951 - 1959)
Gerhart Dietrich (1959 - 1970)
Gottfried Miersch (1970 - 1997)
Eberhard Däbler (1997 - 2002)

Die zwei uns aus der Zeit um Mitte des 20. Jahrhunderts vorliegenden Bilder haben ihre eigene Aussagekraft.

  

  

  

Wie bereits weiter oben angedeutet, bedeutet das Ende der Seeligstädter Feuerwehr nicht zugleich das Ende von Brand- schutz und Brandbekämpfung für unser Dorf. Die der Zeit entsprechende Variante einer gut ausgerüsteten Feuerwehr an einem zentralen Ort unserer Gemeinde wurde mit dem Ausbau und der besseren Ausrüstung der Taubenheimer Feuerwehr in Angriff genommen. So kann die Gemeinde ihre Finanzen besser einsetzen und die notwendigen Bedingungen schaffen, die an mehreren Standorten niemals in dieser Form möglich wären. Kürzlich wurde die erste neue Technik (TS 8 und Stromerzeu- ger) von den Kameraden in Empfang genommen und der Gemeinderat beschloss den Kauf eines modernen Einsatzfahr- zeuges - denn LO "Karlchen" ist auch nicht mehr der Jüngste.

Als erstes wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus in Taubenheim errichtet. Diese Investition der Gemeinde wurde von den Kameraden der FFw durch viele unbezahlte Arbeitsstunden während der Vorbereitung, Errichtung und Ausgestaltung unter- stützt und auch Unternehmen der Gemeinde trugen zu diesem Vorhaben bei. Das Haus ist nicht nur Heimstatt der Feuerwehr, sondern zugleich auch ein kleines Gemeindezentrum (Gemeinderatssitzungen; Sprechstunden des Bürgermeisters u.a.).

Am 11. Oktober 2002 war es soweit - Übergabe des neuen Feuerwehrgerätehauses an die Kameraden der FFw.

   

  
Die feierliche Übergabe wurde durch unseren Bürgermeister Dieter Schneider im Beisein von vielen Gästen vorgenommen. Höhepunkt der Zeremonie war die symbolische Schlüsselübergabe an den Wehrleiter Jochen Otto.
 


Wehrleiter Otto musste viele Glückwünsche entgegennehmen, u.a. von Kameraden benachbarter Wehren, von Vertreten ortsansässiger und regionaler Unternehmen und von Einwohnern der Gemeinde.
 


Und so sieht das schmucke Haus aus - rechts ein Blick in den großen Schulungs- und Mehrzweckraum.
 


Hier noch ein Blick in die Halle mit der Feuerwehrtechnik (in der Mitte das liebevoll gepflegte und immer einsatzbereite Zug- und Transportmittel LO "Karlchen").
Der Tag, welcher zugleich der erste 'Tag der offenen Tür' war, war natürlich auch angetan, dieses Ereignis im Festzelt neben dem Feuerwehrgerätehaus gebührend zu feiern - wie das hier einige Kameraden der Seeligstädter Feuerwehr tun.